Hölderlin : Brod und Wein

… nemlich zu Hauß ist der Geist
Nicht am Anfang, nicht an der Quell.

Friedrich Hölderlin: Brod und Wein (späte Fassung)

Der Begriff des Anfangs und der Quelle hat im Vers von Hölderlin aus seiner späten Überarbeitung resp. Fassung von „Brod und Wein“ eine mehrfache Bedeutung. Anfang meint hier zum einen gleichsam „ontogenetisch“ den biographischen Beginn des Denkens. Als solcher ist der Anfang nicht das im eigentlichen Sinne „Endgültige“. Der Anfang bedarf der Entwicklung, der Ausfaltung der Möglichkeiten nach dem Konzept Blüte /Frucht (Hegel). Der Anfang kann sodann „phylogenetisch“ als Beginn eines historischen Prozesses gelesen werden, in dessen Verlauf die vollgültige Form gefunden wird und somit am Ende steht. Zugleich aber ist der Begriff Anfang vor allem zu sehen vor dem geistesgeschichtlich bedeutsamen Epochendatum „1800“  mit Fichte, Schelling, Hegel, zu denen Hölderlin zu rechnen ist: Anfang meint immer auch „Prinzip“, Ausgang und Quelle einer systematischen Entfaltung von Gedanken, von Theorie, letztlich von Wahrheit 1).

Anmerkung:
1) vgl. Szondi, Peter: Überwindung des Klassizismus. Der Brief an Böhlendorff vom 4.Dezember 1801. In: id: Hölderlin-Studien. Mit einem Traktat über philologische Erkenntnis. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, pp. 104 ss. Der dort diskutierte Geist-Begriff geht von spezielleren Konnotationen aus.