Erbsünde

Die „natürliche“ Sündhaftigkeit des Menschen als Gattungswesen beruht auf seiner Selbst-Orientiertheit, dem selfish-system, wie die schottischen Moralphilosophen des 18.Jahrhunderts dies genannt haben. Das „sich selbst als oberstes Ziel ansehen“ ist die eigentliche Erbsünde, das Erkennen des Gut-für-mich als oberstes Ziel des Lebens. (Steigerung im Sinne Nietzsches). Das Auf-sich-selbst-Orientieren-als-oberstes-Gut macht den Menschen zu einem Lebewesen unter Lebewesen (animal), und selbst wenn die differentia specifica (rationale) hinzutritt, ist der Mensch als reines Lebewesen subsumiert, und insofern hat Heidegger recht, daß der Mensch sich selbst mit diesem Begriff wiederum verfehlt. Zugleich bedeutet das bewußte Auf-sich-selbst-Orientieren-als-oberstes-Gut die bewußte Abwendung von Gott und damit tritt die Möglichkeit des Bösen in den Horizont der Wahl: Adam erkennt den Unterschied von Gut und Böse. Einmal erkannt aber bleibt das Bewußtsein dieser Möglichkeit in der Welt. Daher ist die Erbsünde keine Sünde, die sich biologisch vererbt, sondert sie „vererbt“ sich mit der Tatsache des Menschseins, mit der Tatsache des bewußten Denkens.