Realität und Imagination : Eugen Batz

(Eugen Batz: Die Einheit von Realität und Imagination. In Eugen Batz, Aquarelle, Gouachen und Pastelle 1932-1976, Katalog Kunsthandlung Günter Fuchs, Düsseldorf 1977 , darin weiterer Text von Dieter Hoffmann: Aquarelle von Eugen Batz)
Als Werner Haftmann 1949 eine Mappe mit frühen Radierungen von Eugen Batz herausgab, umschrieb er gleichsam das Programm und den Wesenskern, „das Geheimnis“ dieser Kunst damit, daß „… sie das Ungeborene unserer gegenständlichen Empfindung mit bildnerischen Mitteln anschaubar … macht …“. Diese Deutung ist der Schlüssel zum Werk dieses Künstlers, den es nach fast drei Jahrzehnten immer noch und immer wieder neu zu entdecken gilt – trotz der inzwischen zahlreichen Einzelpräsentationen seines Werks, trotz Teilnahme an documenta und anderen wichtigen internationalen Ausstellungen.

Eugen Batz, 1905 in Velbert im Rheinland geboren, war seit 1929 Schüler am Bauhaus in Dessau, wo ihn neben Kandinsky, Albers und Peterhans vor allem Klee als Lehrer faszinierte. Er ging mit Klee 1931 nach Düsseldorf und teilte später das Schicksal der vielen, denen nach 1933 als Künstler nur der Rückzug in eine hermetische private Sphäre blieb.

Vorgriffe auf das spätere lnformel der 50er Jahre kündigen in den frühen Arbeiten um 1930 bereits die Eigenständigkeit und große malerische Kraft des heute vor uns stehenden Werkes an. Die aus der erlebten Einheit von Wirklichkeit und Imagination, der lebendigen Identität von Welt und Subjekt resultierende Auflösung der festen figürlichen, der Natur und dem Leben resp. dem Reich der reinen abstrakten „idea“ zuzuordnenden Bildformen rückt die Aquarelle wie die späteren Bilder von Batz in einen Bereich, der wesentliche Züge mit dem Surrealismus gemeinsam hat.

Die Malerei von Batz entspringt aus dem Erleben von Welt; die Realität ist als optische Spur in jedem zumal seiner Werke nach 1960 greifbar. Realität ist aber im Sinne des zitierten Haftmann-Wortes „aufgehoben“ und durchaus idealistisch als Erscheinungsform des Geistes begriffen oder besser mythisch erlebt und in ein aus der jeweils material immanenten Bildstruktur entwickeltes autonomes Gefüge von Bildformen übersetzt: Vermittlung – das Programm dieser Malerei realisiert sich in der strukturellen Einbindung der Einzelform in das vielfältige Geflecht des Bildraumes, in der lyrischen, ätherischen Auflösung der lndividualität der Einzelform des Naturgegenstandes und des poetischen lchs.

Somit erscheinen die späten Aquarelle als die Quintessenz der malerischen lntention von Eugen Batz; ihre aus der Technik resultierende Transparenz der Farbe überspielt die Grenzen des ahnungsvoll erlebten Gegenstands, hebt ihn über seine positivistische Eindeutigkeit und Endlichkeit hinaus und deutet ihn als poetisches Gleichnis der „Correspondences“ zwischen Subjekt und Objekt.